Mehr Verweildauer, mehr Umsatz: Wie Store Design messbar wirkt
28. Juli 2026 – Im stationären Handel entscheidet nicht allein das Sortiment über den Erfolg – sondern die Zeit, die Kundinnen und Kunden im Raum verbringen. Verweildauer ist kein weicher Faktor: Sie korreliert direkt mit Kaufwahrscheinlichkeit und Warenkorbgrösse. Für den Ladenbau bedeutet das, dass Gestaltung zum wirtschaftlichen Hebel wird.
Die zentrale Kennzahl: Verweildauer
Der Zusammenhang zwischen Aufenthaltsdauer und Umsatz ist gut belegt: Wer länger bleibt, kauft mehr – und gibt pro Besuch spürbar mehr aus. Erlebnisorientierte Stores verstärken diesen Effekt zusätzlich.
Eine Studie von Pathintelligence belegt den Zusammenhang direkt und messbar: 1% mehr Verweildauer führt zu 1,3% mehr Umsatz. Wer Kunden also nur geringfügig länger im Raum hält, erzielt überproportionale Ertragseffekte.
(Quelle: Pathintelligence, «Dwell Time and Sales», via Retail Sensing)
Warum Verweildauer entsteht – und wie Design sie steuert
Verweildauer ist kein Zufall. Sie entsteht durch gezielte räumliche Entscheidungen.
1. Wegeführung und Orientierung
Klar strukturierte Grundrisse reduzieren Stress und erhöhen die Bereitschaft, sich länger im Raum zu bewegen. In der Praxis heisst das: Blickachsen bewusst setzen, Haupt- und Nebenwege differenzieren, Einstiegsbereiche offen und einladend gestalten.
2. Zonen statt Fläche
Stores funktionieren heute nicht mehr als durchgehende Verkaufsfläche, sondern als Abfolge von Erlebnissen. Typische Zonen in unseren Projekten: Fokusflächen für Key-Produkte, Inspirationsbereiche, Aufenthalts- und Beratungszonen. Das Resultat: Kunden bewegen sich aktiver durch den Raum – und verweilen länger.
3. Materialität und Haptik
Die physische Erfahrung ist einer der Hauptgründe für den Storebesuch. 46% der Konsumentinnen und Konsumenten kommen gezielt, um Produkte zu sehen und anzufassen – physische Standorte bleiben damit zentral für Produktentdeckung und Kaufentscheidung. (Quelle: PwC, «Retail: Consumer Insights»)
Konsequenz für den Ladenbau: Materialien bewusst einsetzen, Produkte zugänglich präsentieren, Interaktion gezielt ermöglichen.
4. Licht als Steuerungsinstrument
Licht lenkt Aufmerksamkeit und definiert Aufenthaltsbereiche. Gezielte Akzentbeleuchtung erhöht die Interaktion mit Produkten spürbar – gleichmässige Grundbeleuchtung allein reduziert die Aufenthaltsqualität.
Gen Z: Die überraschend ladenaffine Generation
Ein Blick auf die nächste Käufergeneration verstärkt die Relevanz von durchdachtem Store Design nochmals. Entgegen der landläufigen Erwartung kauft Gen Z keineswegs ausschliesslich online:
- 64% der Gen-Z-Konsumentinnen und -Konsumenten bevorzugen für die Produktentdeckung den physischen Store gegenüber dem Online-Kanal. (Quelle: L.E.K. Consulting, «Generational Shopping Behavior: How Gen Z Shops», 2023)
- 57% erleben den Ladenbesuch als Erlebnis – nicht als Pflicht. (Quelle: Adyen / Censuswide, 2024)
Für Gen Z ist Shopping ein sozialer und sensorischer Akt: Produkte anfassen, die Atmosphäre erleben, Inhalte für soziale Medien generieren. Der Store wird zur Bühne. Was das für den Ladenbau bedeutet: Räume müssen nicht nur funktionieren – sie müssen eine Geschichte erzählen, die man erleben und teilen will.
Zwei Projekte aus unserer Praxis zeigen, wie unterschiedlich Verweildauer entstehen kann – und wie konsequent gestaltete Räume diese steuern.
Projektbezug: Verweildauer im realen Einsatz
Gnusstreff, Buchs – Spezialitätenladen mit Bistrot
Klare Zonierung statt dichter Warenpräsentation, ein integriertes Bistrot als Anker für längere Aufenthalte, offene Produktdarstellung und gezielter Materialeinsatz zur Stärkung der Markenwelt. Das Resultat: längere Aufenthaltsdauer in zentralen Zonen, stärkere Interaktion mit Produkten, spürbar höhere Aufenthaltsqualität. Hier erfahren Sie mehr über das Projekt Gnusstreff
Thömus, Hauptsitz in Oberbalm – Markenerlebnis als Destination
Für den Schweizer Fahrradhersteller Thömus entwarfen wir einen Store, der Verkauf, Showroom und Eventlocation in einem Raum vereint. Das Interior ist im Einklang mit der Architektur und erzählt die Markenwelt – ein Raum, der Besucherinnen und Besucher anzieht und zum Verweilen einlädt. Hier erfahren Sie mehr über das Projekt Thömus
Beide Projekte bestätigen, was die Forschung zeigt: Je klarer ein Raum strukturiert und inszeniert ist, desto länger bleiben Kundinnen und Kunden – und desto stärker wird die Marke erlebt.
Verweildauer als Planungsparameter
Für den Ladenbau ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Verweildauer muss aktiv geplant werden – nicht nur Fläche. Relevante Planungsfragen: Wo bleiben Kunden stehen – und warum? Welche Zonen laden zum Verweilen ein? Wo entstehen «tote Flächen»?
Diese Fragen lassen sich bereits in der Konzeptphase beantworten und später im Betrieb überprüfen.
Fazit
Store Design beeinflusst Verhalten – und Verhalten beeinflusst Umsatz. Die Verweildauer ist die zentrale Schnittstelle zwischen Raum und Wirtschaftlichkeit.
Ein funktionaler Laden erfüllt seinen Zweck. Ein gut gestalteter Laden steigert nachweislich die Performance – und wird zur Destination.
Weitere Beiträge
Ladenbau mit Re-Use-Konzept
14. April 2026 – Für die neue Filiale von Transa in St. Gallen durften wir ein besonderes Ladenbau-Projekt realisieren. Ein Grossteil der Einrichtung stammt aus dem ehemaligen Standort am Aeschengraben…
Sabine plant weiter – nur anders
17. Dezember 2025 – Nach 13 intensiven Jahren voller Ideen, Herausforderungen und vielen gemeinsamen Erfolgen in unserer Planungsabteilung beginnt für Sabine Schnitzler nächste Woche ein ganz neues Kapitel: ihr Ruhestand.…
Kassenzonen mit ganzheitlichem Design
7. August 2025 – In kaum einem anderen Bereich eines Ladens treffen Funktionalität und Kundenerlebnis so direkt aufeinander wie an der Kasse. Genau hier entscheidet sich oft der letzte Eindruck…